Was Rifkas Geschichte in uns nachklingen lässt

Am 16. Oktober haben wir gemeinsam mit Kai Buschmann in der ehemaligen Synagoge Hochberg die Konzertlesung „Liebe in einer kleinen Stadt“ musikalisch gestaltet. Rifkas Geschichte ist uns nahegegangen – nicht nur wegen ihrer Tragik. Sie erzählt von einer jungen Frau, deren eigene Wünsche an den Erwartungen ihrer Gemeinschaft gemessen werden. Und sie stellt Fragen, die uns auch heute beschäftigen.

Im Mittelpunkt der Erzählung von Ivo Andrić steht Rifka, die Tochter eines wohlhabenden jüdischen Kaufmanns im bosnischen Višegrad. Als sie sich verliebt, gerät sie in Konflikt mit den Regeln ihres Umfelds. Besonders bewegt hat uns, wie unterschiedlich Frauen und Männer beurteilt werden: Was einem Mann zugestanden wird, kann für eine Frau den Verlust von Ansehen und Sicherheit bedeuten.

Mit unserer Musik wollten wir den Worten Raum geben und zugleich eine eigene emotionale Ebene öffnen. Für uns lag der besondere Reiz darin, mit Klarinette und Akkordeon zwischen Zartheit, Melancholie und Intensität zu wechseln.

Die Verbindung zur Gegenwart war uns wichtig. Stimmen aus dem heutigen Remseck holten Fragen nach Selbstbestimmung, gesellschaftlichen Erwartungen und unserem Umgang miteinander ins Hier und Jetzt. Auch die Orange Bank gegen Gewalt an Frauen und Mädchen wurde in die Lesung einbezogen. Sie macht im öffentlichen Raum auf geschlechtsspezifische Gewalt aufmerksam und weist auf Hilfsangebote hin. Dazu gehört das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016. www.hilfetelefon.de

Der Remsecker Gemeinderat hat im März 2026 beschlossen, eine Orange Bank am Haus der Bürger in Aldingen aufzustellen. Ihre Einweihung ist für den 16. November im Rahmen der landesweiten „MACH DICH STARK“-Tage geplant.

Rifkas Geschichte ist für uns mehr als ein historisches Schicksal. Sie erinnert daran, genauer hinzusehen, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird – und uns zu fragen, wie viel Freiheit wir anderen zugestehen, ihren eigenen Weg zu gehen.

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