„Tema con Variazioni“ von Jean Françaix – Heitere Nonchalance und virtuose Unterhaltung

Elke Bürger & Janina Rüger-Aamot

Jean Françaix war ein Komponist, der in den musikalischen Strömungen des 20. Jahrhunderts seine ganz eigene Stimme fand – eine, die die alte Tugend geistreicher Unterhaltung mit einer Leichtigkeit und Virtuosität verband, die ihresgleichen sucht. Sein „Tema con Variazioni“, 1974 als Prüfungsstück für die Klarinettenklassen am Pariser Konservatorium komponiert, ist ein Paradebeispiel für diese Haltung: ein Werk voller Eleganz, Witz und aberwitziger technischer Herausforderungen, das dennoch niemals seine charmante Leichtigkeit verliert.

Ein Prüfungsstück mit brillanter Virtuosität

Wie ähnliche Klarinettenwerke von Debussy oder anderen französischen Komponisten wurde Françaix’ „Tema con Variazioni“ als „Morceau de Concours“ geschrieben – ein Prüfungsstück, das technische und musikalische Anforderungen auf höchstem Niveau verbindet. Die Virtuosität des Stücks knüpft an die Tradition der „Variations brillants“ des 19. Jahrhunderts an, zeigt jedoch zugleich Françaix’ unverkennbaren Stil: humorvoll, brillant und immer nahbar.

Das Stück beginnt mit einem klaren, melodischen Thema, das mit seiner schlichten Eleganz die Basis für eine Reihe von Variationen bildet. Jede Variation ist eine eigene Miniaturwelt, die zwischen tänzerischen Rhythmen, verspielten Dialogen und lyrischen Ausbrüchen oszilliert. Für unser Duo – Klarinette und Akkordeon – bietet diese Struktur die Möglichkeit, nicht nur die technischen Anforderungen zu erfüllen, sondern auch die vielfältigen Klangfarben und Charaktere des Stücks lebendig werden zu lassen.

Der Geist eines „verrückten Hutmachers“

Françaix’ eigene Beschreibung seines Wesens – die Mischung aus ruhigem Gemüt und feurigem Temperament – spiegelt sich im Charakter dieses Werkes wider. Die Variationen wirken wie aus der Werkstatt eines verrückten Hutmachers: verspielt, überraschend und voller kreativer Wendungen. Diese Kombination aus Eleganz und schelmischem Humor ist es, die uns bei der Arbeit an diesem Stück besonders fasziniert.

Für das Akkordeon eröffnet sich hier eine reizvolle Herausforderung: Françaix‘ ursprüngliche Klavierstimme, die oft tänzerische Präzision und feine Nuancen verlangt, wird durch das Akkordeon zu einer atmenden, lebendigen Klangwelt. Es ergänzt die Klarinette nicht nur als Begleiter, sondern tritt in einen spielerischen Dialog mit ihr.

Zeitgenössisch, leicht und dennoch tiefgründig

Françaix selbst schrieb, dass er beim Komponieren nicht den „gedanklichen Autobahnen“, sondern lieber den „Waldwegen“ folgte. Diese Herangehensweise macht „Tema con Variazioni“ zu einem Werk, das trotz seiner Leichtigkeit eine tiefe künstlerische Aussage enthält. Es zeigt, dass zeitgenössische Musik unterhaltsam und zugänglich sein kann, ohne dabei an künstlerischem Wert zu verlieren.

Unser Ziel als Duo ist es, diese Balance in unserer Interpretation zu bewahren:

• Die Klarinette trägt den melodischen Ausdruck, erzählt Geschichten voller Wärme und Virtuosität.

• Das Akkordeon ergänzt mit einem breiten Spektrum an Klangfarben, von tänzerischer Begleitung bis zu orchestralen Texturen.

Warum „Tema con Variazioni“ auf unserer CD?

Dieses Werk ist mehr als nur ein Prüfungsstück – es ist ein Stück musikalischer Lebensfreude, eine Hommage an die Kunst der Unterhaltung und zugleich eine Demonstration virtuoser Meisterschaft. Françaix schrieb es mit einem Augenzwinkern, aber auch mit dem tiefen Respekt vor der Klarinette und ihrer Vielseitigkeit.

Für uns ist es ein Stück, das das Publikum nicht nur beeindruckt, sondern auch berührt. Es passt perfekt zu unserer Mission: zeitgenössische Musik mit hochwertiger Unterhaltung zu verbinden und dabei immer wieder ein bisschen verrückt zu sein – so wie Françaix selbst.

Mit unserer Besetzung wollen wir dem Werk eine neue Perspektive verleihen, ohne den Geist seiner ursprünglichen Widmung zu verlieren. Wir freuen uns darauf, die humorvolle, elegante und virtuose Welt von „Tema con Variazioni“ auf unsere CD zu bringen – als Hommage an Jean Françaix, an Jacques Lancelot und an die unendlichen Möglichkeiten der Musik.

duoane.com

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