Bin ich jemals fertig mit Üben? Wann kann ich es endlich?

Janina Rüger-Aamot

Hast Du Dir jemals diese Fragen gestellt:

Wenn ich stundenlang am Instrument sitze, jede Note, jede Phrase immer wieder durchgehe, und selbst nach all den Jahren noch an Details feile – könnte sich schon der Gedanke einstellen: „Bin ich jemals fertig mit Üben?“ Wann kommt der Punkt, an dem man sagen kann: „Jetzt kann ich es“? Diese Fragen sind nicht nur für mich als Profi relevant, sondern auch für alle, die Musik als Hobby oder Leidenschaft betreiben.

Der Mythos des „Fertig-Seins“

Musik ist eine Kunstform, die ständig wächst und sich verändert. Selbst die größten Meisterwerke, die Jahrhunderte überdauert haben, bleiben lebendig und lassen sich immer wieder neu interpretieren. Und genau das macht den Reiz aus – es gibt in der Musik kein „fertig“. Jedes Stück, jede Technik, jede Stilrichtung ist wie eine unendliche Landschaft, die wir zwar bereisen, aber nie ganz erobern können.

Für mich als Profi bedeutet das, dass jedes Konzert, jede Aufnahme und jede Probe eine Möglichkeit ist, etwas Neues zu entdecken. Auch wenn ich ein Stück schon unzählige Male gespielt habe, finde ich immer wieder Details, die ich verbessern oder anders interpretieren kann. Die Kunst liegt darin, die Reise zu genießen, anstatt das Ziel anzustreben. Das ist einer der großen Unterschiede zwischen Musik und vielen anderen Bereichen des Lebens – das Streben nach Perfektion ist unendlich und nie abgeschlossen.

Wann ist es „gut genug“?

Das Gefühl, ein Stück zu beherrschen, ist dabei ein entscheidender Meilenstein, der mir als Musikerin hilft, ein Werk ausdrucksstark und sicher vorzutragen. „Gut genug“ ist nicht das Gleiche wie „perfekt“ – es ist der Punkt, an dem ich mich mit dem Stück so vertraut fühle, dass ich frei musizieren kann, ohne über jede Note nachzudenken. An diesem Punkt kann ich loslassen und meine Persönlichkeit durch das Werk hindurchscheinen lassen.

Auch für Amateure und Musikliebhaber gilt das. Es geht nicht darum, ob jede Note exakt getroffen wird, sondern darum, ob die Musik fließt und die Emotion spürbar ist. Dieser Moment, wenn man sich beim Spielen oder Singen „gut genug“ fühlt, ist ein kleines, persönliches Ziel. Der Weg dahin ist für Profis und Laien ähnlich: Geduld, Leidenschaft und die Freude am Entdecken neuer Nuancen.

Profis und Liebhaber: Geteilte Parallelen im Prozess

Als Musikerin kann ich sagen, dass Profis und Liebhaber oft viel mehr gemeinsam haben, als man denkt. Beide investieren Zeit und Herzblut, um sich in einem Werk oder einer Technik zu vertiefen. Ein Amateur übt vielleicht weniger Stunden, aber die Hingabe, das Ausprobieren und das Suchen nach Ausdruck ist dasselbe. Egal, ob man für ein Konzert im Opernhaus oder für die Familie spielt – das Bedürfnis, die Musik auszudrücken und zu verbessern, verbindet uns.

Beide Gruppen kennen auch das Gefühl, an einem bestimmten Punkt anzukommen und zu merken: „Jetzt habe ich einen Durchbruch.“ Oder auch die Frustration, wenn etwas nicht so gelingt, wie man es möchte. Die Freude, nach Wochen oder Monaten endlich eine schwierige Passage zu meistern, ist etwas, das jeder Musiker – Profi oder Liebhaber – nachvollziehen kann.

Der ständige Wandel und das Loslassen

Musik entwickelt sich, und genauso entwickelt sich auch unser Können und unser Verständnis. Ein Stück, das ich vor fünf Jahren gespielt habe, klingt heute anders. Ich selbst habe mich verändert, und die Musik spiegelt das wider. Das Wissen, dass alles im Fluss ist, macht das Üben zu einer ständigen Reise – nicht zu einer Aufgabe, die irgendwann beendet ist.

Ich denke, die große Kunst ist es, das Loslassen zu lernen. Nicht das Ziel, „fertig“ zu sein, sollte im Vordergrund stehen, sondern die Freude am Musizieren und das Vertrauen, dass jedes Üben, jedes Spielen uns ein kleines bisschen weiterbringt. Fertig wird man nie – und das ist vielleicht das Schönste daran.

Lust auf Sommer ? – Bewegte Eindrücke…

Bewegte Eindrücke eines bewegenden Konzertes. Die Dommusik in der Kirche St. Eberhard am 11.01.20 in Stuttgart. Vielen Dank für die großartige Atmosphäre, die tolle Stimmung und das wunderbare Feedback, dass wir von so vielen erhalten haben. Wir freuen uns auf das nächste Mal!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Lust auf Sommer?

Da haben wir was: Ein ganz besonders sonniges Programm für ein bisschen Urlaubsfeeling in der dunklen Jahreszeit!

Wir wünschen Ihnen allen einen wunderbaren Start ins Jahr 2020 und möchten ganz herzlich zu unserem „Neujahrskonzert“ im Rahmen der Dommusik in der Kirche St. Eberhard in Stuttgart/Königstraße 7 einladen!

 

Musik am Mittag

Einmal im Monat, an einem Samstag von 12.05 Uhr bis 12.30 Uhr, bietet dieses Konzertformat ein Podium für das Außergewöhnliche auf hohem Niveau, eine willkommene Zäsur im Tag.

Träger dieser Reihe ist der Förderverein Dommusik St. Eberhard. Der Eintritt ist frei.

Vielen Dank für den tollen Artikel auf musikunterricht.de

Portrait einer Akkordeonistin

Artikel|Portrait einer Akkordeonistin
Interview über das Akkordeon Keyvisual

Portrait einer Akkordeonistin 

Das besondere Instrument Akkordeon wird nicht an jeder Musikschule gelehrt. Dennoch bietet es eine enorme Vielseitgkeit. Janina Rüger lehrt Akkordeon und verrät in einem Interview die Besonderheiten des Instruments.

Ein Interview über das Akkordeon mit Janina Rüger

Eine musikalische Laufbahn mit vielen Stationen

„Ich habe, seit ich begonnen habe Akkordeon zu spielen, schon immer Akkordeon studieren wollen. Ich habe am Hohner-Konservatorium Trossingen, sowie bei Ivano Battiston am Conservatorio Luigi Cherubini in Florenz Akkordeon studiert. 2006 habe ich die Solistenklasse des Hohner-Konservatoriums bei A. Nebl mit Bestnote abgeschlossen. Außerdem habe ich zahlreiche Kammermusik- und Meisterkurse, wie zum Beispiel bei Prof. I. Koval, Prof. C. Buder, I. Battiston und A. Nebl besucht und bis Oktober 2010 die Musikwissenschaft an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen (MA) studiert. Ich bin regelmäßig Jurorin bei verschiedenen Wettbewerben für Akkordeon. Ab 2007 habe ich in Zusammenarbeit mit Patrizia Angeloni (Florenz) und Volker Rausenberger (Freiburg) das mehrjährig konzipierte Seminar ‚Die Farbenvielfalt des Klanges – Neue didaktische Wege für die Entwicklung vom Anfänger bis zum Konzertsolisten‘ koordiniert – für mich ein Herzensprojekt. Auf der Bühne stehe ich neben einem Soloprogramm aus Renaissance, Barock, Klassik und Neuer Musik mit verschiedenen kammermusikalischen Formationen, mit denen ich im In- und Ausland aktiv unterwegs bin, so zum Beispiel bei einer Konzertreise nach Naruto/Japan.“

Das Schöne am Akkordeon-Unterricht

„Beim Unterrichten liebe ich die Momente, in denen ich spüre, dass sich jemand am Instrument gefunden hat. Also wenn jemand beginnt, sich selbst über seine Musik auszudrücken. Das eigene Spiel hat immer ganz viel mit der Persönlichkeit, dem eigenen Leben und der eigenen Geschichte zu tun. Es ist ein Fenster zum Inneren. Das ist bei mir so und natürlich auch bei jedem Schüler. Das Akkordeon ist sehr vielseitig. Ich kann von Mittelaltermusik, Alter Musik, Klassik bis hin zu zeitgenössischer Musik, Tango oder Klezmer alles spielen. Es sind ganz viele Kombinationen mit anderen Instrumenten möglich. Super!“

Genrevielfalt und unzählige Möglichkeiten

„Neugierde ist eine Voraussetzung für das Spielen. Jedes Instrument muss man üben und jedes Instrument hat seine ganz eigenen Herausforderungen. Ich glaube, es ist sehr individuell, welches Instrument einem am besten liegt. Mit dem Akkordeon kann ich solo spielen, als Duett oder auch in kammermusikalischen Besetzungen. Hier gibt es keine Grenzen. Ich selbst spiele mit Klarinette, Klarinette & Mezzosopran, mit Violine. Aber ich habe auch schon Duette mit Bratsche, mit Kontrabass und vielen anderen Instrumenten gespielt. Außerdem gibt es zum Beispiel gemischte Tango- oder Klezmergruppen, in denen das Akkordeon eine wichtige Rolle spielt. Und dann natürlich das Ensemble- und Orchesterspiel, das besonders im süddeutschen Raum verbreitet ist. Es gibt sogar Besetzungen, die sich rockiger Musik verschrieben haben.“

Online-Musikunterricht und Notenrepertoire

„Natürlich ist ein persönliches Feedback immer direkter. Ich glaube, dass ein Erwachsener sich viel aus Online-Musikunterricht holen kann. Aber es ist sicher sinnvoll, hin und wieder den persönlichen Kontakt zu suchen. Das Lehrangebot ist noch nicht vielfältig genug! Es gibt noch so viele Möglichkeiten, die viel zu selten angeboten werden. Auch das Notenrepertoire ist ausbaufähig. Besonders als gemischte Besetzung muss man sich seine Noten oft selbst adaptieren. Aber das ist mit ein bisschen Übung kein Problem. Trotzdem wäre es schön, wenn es da mehr gäbe.“

Übungstipps

„Wichtig sind Ziele, zum Beispiel ein Auftritt. Dann arbeitet es sich immer besser. Außerdem sind Rituale oft ganz hilfreich. Zum Beispiel immer zur gleichen Zeit zu üben. Wenn ein Schüler unmotiviert ist, versuche ich, die Ursachen zu erforschen und dann gemeinsam mit dem Schüler Lösungen zu entwickeln.“

Weitere Informationen zu Janina Rüger finden Sie auf der Seite www.janinarueger.com.

Piazzolla – auch 25 Jahre nach seinem Tod mitreißend!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

08.10.2017, Petruskirche Obertürkheim
letztes Spazierweg-Konzert in 2017!

Publikumsreaktionen:

Ich bin seit 40 Jahren mit einem Argentinier verheiratet – aber das ist das erste Mal, dass mir ein Tangokonzert gefallen hat!“

„So, wie gestern Abend der Beifall am Ende des Konzerts war und wie es mir auch anschließend viele Zuhörer vermittelt haben, ist Ihr Konzert hier in der Petruskirche auf große Begeisterung gestoßen. Die dargebotene Musik war sehr abwechslungsreich mit vielen Schattierungen in allen Richtungen, teilweise dramatisch, dann wieder ruhig und intim. Selbst noch in der Nacht schwirrte die Musik in meinem Kopf herum.
Nochmals vielen Dank für dieses eindrucksvolle und berührende Konzert von Ihnen Beiden.“

Solitude Soirée: Begeisterung bei vollem Haus! – Und etwas Neues auf YouTube…

Hörprobe Solitude

Photos by Christoph Marquardt and Frank Bürger

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Bei schönem Wetter und angenehm sommerlichen Temperaturen strömten die Konzertbesucher am Sonntagnachmittag zuhauf in die wunderschöne, weiße Schlosskapelle des Stuttgarter Schloss Solitude.
Was war da los?
„Más Que Dos“, zu deutsch „mehr als Zwei“, luden am 16.07.2017 zur SOLITUDE SOIRÉE, die von April bis Oktober wöchentlich dort stattfindet. Es kamen Gäste aus nah und fern, spontane Besucher des Schlosses ebenso wie treues Stammpublikum der SOLITUDE SOIRÉE und Fans des Trios.

Dies sind Anna Escala (Sopran), Elke Bürger (Klarinette) und Janina Rüger (Akkordeon). Seit zwei Jahren arbeitet das Stuttgarter Ensemble zusammen und präsentierte nun „Danzas cantadas“, gesungene Tänze.
Das Publikum durfte sitzenbleiben und katalanischen und südamerikanischen Werken lauschen, die teils anspruchsvolle Konzertliteratur darstellten (wie die Bachianas Brasileiras No.5 von Heitor Villa-Lobos), aber auch bekannte Melodien (wie die Habanera aus „Carmen“) und Sardana, Vals und Martelo.
In verschiedenen Besetzungen wurde musiziert, und da sich das Trio aus dem langjährigen „Duo Áne“ und Sopran gebildet hat (daher der Ensemblename), gab es auch Tangos von Ástor Piazzolla aus dem aktuellen Programm von D´Ané zu hören.
Ebenfalls interessant zu hören – und zu sehen – waren Mundharmonika (Anna Escala) sowie erstmals Bassklarinette (Elke Bürger).

Das Trio „Mas Que Dos“ reizte den Saal dynamisch in seiner vollen Bandbreite aus, schlug das Publikum für eine Stunde mit romantischen Melodien in seinen Bann und mischte es mit feurigen Rhythmen auf.
Die Zugabe war ein schneller Zapateado und wieder überraschend, denn in „La Tarantula“ griff Anna Escala zu Kastagnetten und heizte die Stimmung ein letztes Mal an.

 

Publikumsreaktionen:
„Danke für das wunderschöne Konzert heute Abend, welches wir sehr genossen haben. Ihr seid ein prima Team und habt sehr inspirierend musiziert. Schön, wie ihr die dynamischen Bandbreiten voll auslotet und euer Publikum in dem Bann zieht. Weiter so!“

„Euer Konzert war super schön heute, die Mischung hat für mich perfekt gepasst: leichtere, aber auch ein wenig schwerere Kost sind mit dabei gewesen. Und deine Worte (Janina), die die Stücke eingeleitet haben, waren so schön klar und mit authentischer Leidenschaft erklärt – konnte damit die Stücke danach noch besser greifen.“

Benefizkonzert in der Leonhardskirche: 16.7.2016, um 19 Uhr

Flyer_Benefizkonzert_2016_A6_DRUCK

30 Jahre AK Asyl Stuttgart

16. Juli 2016, 19 Uhr in der Stuttgarter Leonhardskirche: Von Klassik bis Jazz wird alles dabei sein, sogar eine Kunstausstellung in der Pause wird es geben. Denn viele Stuttgarter Künstler möchten auf diese Weise die großartige Arbeit des AK Asyl Stuttgart unterstützen.

Das Musikensemble D` Ané (Elke Bürger/Klarinette und Janina Rüger/Konzertakkordeon) wird dabei musikalisch unterstützt von den Jazzern Frank Kroll & Patrick Bebelaar (Saxophon & Piano). Der unter anderem aus dem Renitenztheater bekannte Conférencier Peter Gorges führt durch einen mit Sicherheit unterhaltsamen und kurzweiligen Abend und sogar der Kabarettist Sebastian Pufpaff (regelmäßige Sendungen in 3 SAT) unterstützt das Benefizkonzert mit einer Grußbotschaft.

Vom 5. bis 17. Juli findet zudem in der Leonhardskirche eine Kunstausstellung statt mit Werken, die Künstlerinnen und Künstler sowie weiteren Kunstschaffende für den Verkauf zugunsten von Flüchtlingen gespendet haben.

Im Jahr 1986 schlossen sich in Stuttgart engagierte Männer und Frauen als AK Asyl Stuttgart zusammen, um ausländischen Flüchtlingen beizustehen. Mittlerweile genießt der AK Asyl große öffentliche Akzeptanz und erhielt 2010 den Stuttgarter Friedenspreis. 30 Jahre nach der Gründung und der Flüchtlingswelle im letzten Jahr ist die Arbeit des Arbeitskreises wichtiger denn je. Menschliche Zuwendung und Hilfe ist ein Wert an sich, aber ohne finanzielle Mittel kann Hilfe nicht geleistet werden. Der AK Asyl ist deshalb auf Spenden angewiesen, um für Flüchtlingsschicksale menschlich tragfähige Lösungen zu finden.

Der Eintritt zum Benefizkonzert ist frei, um Spenden (bar oder per Überweisung) wird gebeten. Der Erlös kommt zu 100 % dem AK Asyl Stuttgart zugute.