In letzter Zeit habe ich mich immer wieder mit der Verbindung von Worten und Musik auseinandergesetzt. Beide Künste haben ihre eigene Sprache, aber wenn sie miteinander verschmelzen, entsteht etwas Neues: ein Raum, in dem Geschichten lebendig werden, Gefühle hörbar und Gedanken spürbar.
Ein Beispiel dafür ist der Liederzyklus mit Texten von Ada Christen („Ist die Welt um mich verwandelt“, Hartmut Seidler), den ich gemeinsam mit dem Trio Das Que Dos uraufführen durfte – ein Projekt, das mich lange nach dem Konzert noch begleitet hat. Worte, die aus einer anderen Zeit stammen, fanden in der Musik ihre Entsprechung und eröffneten mir und dem Publikum neue Perspektiven.
Auch „Cabaret“ am Staatstheater Stuttgart lebte von dieser engen Verbindung. Worte und Musik verstärken dort die Botschaft, machen sie unüberhörbar. Und gerade heute, in einer Welt, die so viele klare Botschaften dringend nötig hat, ist diese Kunstform ein starkes Signal.
Sehr nah ist mir im Moment auch das Programm „TodGlücklich“, mit dem ich in den vergangenen drei Jahren unterwegs war und das auch in diesem Herbst wieder aufgeführt wird. Es zeigt mir immer wieder, wie behutsam, aber auch wie kraftvoll sich existenzielle Themen mit künstlerischen Mitteln erschließen lassen.
Und schließlich ist da die Konzertlesung „Was wäre, wenn Weihnachten… ?“. Schon seit Ende August türmen sich die Lebkuchen in den Supermärkten. Deshalb denke ich, es ist okay, wenn ich jetzt im Oktober meine Gedanken dazu mit Euch teile. Denn bald beginnen die Proben dazu und so wirft die Weihnachtszeit schon ihren Schatten voraus. Dieses Programm mit dem Radiopfarrer Felix Weise beschäftigt sich mit menschlichen Wegen und Umwegen – und ich finde genau das so spannend. Denn eigentlich ist jeder Lebensweg ein Umweg. Nie verläuft er gerade, und oft führen gerade die schwierigen oder schmerzhaften Stationen zum nächsten Schritt, den es ohne sie nie gegeben hätte.
Es bleibt die Frage: Hätte manches einfacher sein dürfen? Hätte man sich manches sparen können? Vielleicht. Aber vielleicht war es genau so notwendig, damit wir heute dort stehen, wo wir stehen.
Mit diesen Gedanken beschäftige ich mich besonders in der Weihnachtszeit. Sie richtet den Blick auf die Menschen, mit denen wir unser Leben teilen, auf Erlebnisse und Erfahrungen, auf gemeinsame Momente. Auf das, was wir geschafft und (üb)erlebt haben. Sie schärft unseren Blick auch für andere: Wie wir Menschen wahrnehmen, wie wir mit ihnen umgehen und wie viel zutiefst Menschliches hinter jedem Verhalten steckt – auch hinter dem, was wir zunächst als negativ empfinden.
Wenn wir bereit sind, genauer hinzusehen, verändert sich unsere Bewertung. Und vielleicht ist es genau diese Sensibilität, die sich die Kunst und die Musik immer wieder bewahren und uns schenken können.
Darum freue ich mich sehr, dass wir auch in diesem Jahr wieder mit der Konzertlesung unterwegs sein werden. Die Proben haben bereits begonnen – und während wir die Texte, Klänge und Bilder erneut miteinander verweben, wollte ich diese Gedanken einfach mit Euch teilen.
Mehr zu den einzelnen Veranstaltungen folgt bald.




