Symposium in Innsbruck, 1.-3.Oktober 2010

Vom 1. bis 3. Oktober 2010 fand das 3. Akkordeon Symposium statt. Nach Prato (I) und Freiburg (D) war Innsbruck (A) anläßlich des 20. Geburtstages der Akkordeonklasse am Tiroler Landeskonservatorium Schauplatz der Vorträge, Diskussionen sowie dem Marktplatz der Ideen.
Die Teilnehmer waren aus ganz Österreich, Deutschland und Italien angereist. Ziel der Symposien soll es sein, die in den letzten Jahrzehnten aufgetretene Kluft zwischen einer hochentwickelten konzertanten Kultur und einer noch unausgereiften Akkordeonmethodik zu schließen. Die Themen der 6 Referenten näherten sich diesem Motto auf unterschiedliche Weise, entsprechend der Komplexität der Thematik. In den angeregten Diskussionen, denen ein zeitlich größerer Raum zugedacht wurde und zu denen die Teilnehmer ausdrücklich eingeladen wurden, ging es gerade
darum, diese unterschiedlichen Zugänge auf Relevanz und Tauglichkeit für die Praxis hin abzuklopfen.

Eröffnet wurde das Symposium mit einem Vortrag über die Arbeit und die neuesten Entwicklungen am Tiroler Landeskonservatorium und einem Konzert der Referenten mit Werken von Girolamo Frescobaldi, Jaime Padrós, Albrecht Gürsching, Franz Liszt und Martin Ohrwalder.

Prof. Hans Maier von der Trossinger Hochschule berichtete in seinem Vortrag über Gerard Grisey: Biographie und kompositorische Stilistik, seine sehr wechselvollen Beziehung zum Akkordeon und seiner auf Debussy zurückreichenden musikhistorischen Relevanz. In der Diskussion wurde die Nachlässigkeit der Akkordeonszene bemängelt, mit der einige Komponisten in der vergleichsweise kurzen Literaturgeschichte aus dem Repertoire verschwunden sind, dies betrifft neben Grisey auch Jacobi, um nur zwei Namen zu nennen. Prof. Ivano Paterno vom Conservatorio Castelfranco
Veneto veranschaulichte anhand der Vorworte Girolamo Frescobaldis zu seinen Werken, wie Spieler, Lehrer und Schüler interpretatorische Zugänge zu den Werken finden können. Die weit über den unmittelbaren Notentext hinaus weisende Erarbeitung kann auch als Modell des Unterrichtens
gesehen werden.

Janina Rüger, Stuttgart, referierte über Kompositionen, die Uros Rojko für Kinder geschaffen hat und gab Hinweise auf die spezifisch altersgerechte Erarbeitung. In der anschließenden Diskussion wurde auf das mitunter schwierige Verhältnis von Notentext, Interpretation und Intention des Komponisten verwiesen, insbesondere wenn letzterer als Interpret seiner eigenen Werke auftritt. Prof. Patrizia Angeloni vom Conservatorio Latina berichtete von ihrer Arbeit mit Kindern, die noch vor dem Beginn des traditionellen Instrumentalunterrichtes innerhalb eines Semesters unterschiedliche Instrumente kennen lernen und mit diesen auf sehr eindrucksvolle Weise Musik in zeitgenössischer Ausprägung spielen.

Die Diskussion beleuchtete verschiedene unmittelbare Zugänge zum Instrument, die mehr von der Musik als von der Instrumentaltechnik getragen sind und die Möglichkeiten der Musik des 20. Jahrhunderts, die dafür prädestiniert erscheint.

Volker Rauenberger von der Musikschule und Pädagogischen Hochschule Freiburg veranschaulichte Unterrichtsinhalte und Methoden des differentiellen Lernens, die den Schüler zu mehr Eigenständigkeit führen und in ihrer Gestaltung auf das wirkliche Verstehen der instrumentalen
und musikalischen Handlung abzielen. Die Diskussion erweiterte die Situation in der Musikschule auf die Hochschulen, bei denen das Verhältnis Professor zu Studenten in Form einer Meister-Schüler-Beziehung durchaus problematisch bezüglich der Eigenständigkeit und interpretatorischen
Kompetenz der Studenten sein kann. Harald Pröckl vom Tiroler Landeskonservatorium plädierte in seinem Vortrag für eine symbiotische Beziehung von U- und E-Musik in der Ausbildung; eine Versöhnung mit der Geschichte und eine Möglichkeit, beiderseits Verkrampfungen zu lösen.
Anschließend wurde u.a. diskutiert, ob die Vielfalt der Akkordeonszene, der Akkordeontypen und -namen einen schützenswerter Reichtum darstellt, oder einer gezielten Förderung und Bewerbung durch die Aufspaltung in Einzelinteressen im Wege steht.

Zum Marktplatz der Ideen waren alle Teilnehmer eingeladen, Projekte, Literatur, Ideen zu präsentieren, unter anderem auch konkrete Ergebnisse der letzten Symposien, die sich mittlerweile zu Unterrichtsmaterialien entwickelt haben. Auch 2011 ist wieder ein Akkordeon Symposium
geplant.

Harald Pröckl

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