Mozart für Akkordeon

Gedanken über erleichterte Fassungen Klassischer Werke und deren musikalische Untiefen

Foto von Xavier von Erlach auf Unsplash – Auf dem Foto ist es Bach. Aber ich fand das Bild einfach passend.

Ich habe es getan. Ich habe mich an das Rondo alla turca/Mozart gewagt und eine vereinfachte Version für Lernende am Akkordeon geschrieben. Die Tatsache, dass ich es getan habe, also diese Fassung erarbeitet, macht schon deutlich: Ich halte es für völlig legitim, komplexe Werke in einfacherer Form sozusagen für einen niederschwelligen Einstieg zugänglich zu machen. Und doch finde ich eine gewisse Achtsamkeit und auch Reflexion durchaus notwendig.

Was also spricht dagegen? Warum lehnen es viele geschätzte Kollegen rundherum ab, solche einfacheren Fassungen zu verwenden? Ein Schüler erzählte mir, dass seine Schwester, die ein anderes Instrument lernt, ein bestimmtes Werk nicht spielen darf, weil sie es im Original technisch noch nicht bewältigt. Eben jener Schüler jedoch steigt mit mir in eben jenes Werk in einer einfacheren Fassung ein. Zu Hause sorgte das natürlich für Diskussionen und bei mir für viele Fragen. Natürlich möchte ich dem unbekannten Kollegen nicht in den Rücken fallen. Ich kenne seine Argumente und finde sie durchaus nachvollziehbar.

Ich liste mal ein paar der Argumente auf. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Ihr dürft gern ergänzen.

  1. Das Original wird verfälscht. Die musikalische Tiefe geht verloren. Vereinfachungen lassen komplexe Elemente und Finessen zumindest zum Teil verschwinden. Viele der großen klassischen Werke sind deshalb so nachhaltig berühmt, weil sie für Generationen von Musikwissenschaftlern immer neue Erkenntnisse bereithalten. Das sind Nuancen und Details, die jemandem, der eine einfachere Fassung kennenlernt, vorenthalten bleiben.
  2. Setzt sich eine Schülerin oder ein Schüler nach dem leichteren Einstieg mit dem Original auseinander, kann der Übergang durch die höhere Komplexität und Schwierigkeit herausfordernd und gegebenenfalls zu schwer sein. Hat man sich an eine einfache Fassung gewöhnt, ist diese Hürde vielleicht nicht zu nehmen.
  3. Vereinfachungen schränken die technische und interpretatorische Entwicklung ein. Vielleicht werden Lernchancen dadurch verpasst.

Bitte schreibt mir gern, welche Argumente Euch auf dieser Seite noch fehlen.

Dafür, also für einfachere Arrangements, spricht aus meiner Sicht, dass ein „Ohrwurm“ schneller zu lernen ist und man technische Herausforderungen angehen kann, die einfach durch den Spaß am Stück an Schwierigkeit verlieren. Am Beispiel des Rondos von Mozart kann ich in der linken Hand Akkorde und Oktaven üben, gleichzeitig und gebrochen. Und ich habe im Ohr, in welchem Tempo das erst richtig Spaß macht. Das kann motivierend sein und für das Original den Boden bereiten.

Der leichtere Einstieg kann die Hürden verringern, sich mit dem Original auseinanderzusetzen. 

Ich finde aber auch, dass wir die Verantwortung haben, sorgsam zu kommunizieren, dass es sich um eine vereinfachte Version eines wunderbaren Originals handelt, die Lust machen soll auf mehr. 

Mangel als Chance

Gerade mit dem (Einzelton-)Akkordeon (Melodiebass) sind wir auf Übertragungen angewiesen. Oder positiv formuliert: Uns steht die gesamte Palette der Musikgeschichte offen. Wir können schöpfen aus einem unglaublichen Fundus an Werken, denn wir sind nicht auf das Œvre für nur ein Instrument beschränkt. Denn die meiste Zeit gab es das Akkordeon nicht. So gehen wir einfach bei nahezu allen anderen – nicht nur Klavier – auf die Suche. Und wir übertragen, wir richten ein, wir erschließen. 
Die Fragen, die ich mir immer wieder stelle, sind die:

Wo sind Grenzen? Gibt es Grenzen? Ab wann ist es Piraterie oder schlicht Verrat an der Kunst? Oder gibt es das nicht? Muss ein Kunstwerk, dass in der Welt ist, vielleicht einfach damit leben, dass sich Menschen auf ihre jeweils eigene Weise damit auseinandersetzen und es sich erschließen. Schließlich wurden in allen Epochen Werke umarrangiert und für andere Instrumente eingerichtet. Was meint Ihr dazu? Schreibt mir gern.

Mit diesen Gedanken verabschiede ich mich und wünsche Euch einen wunderbaren Jahreswechsel. 

Den Stein des Anstoßes für diesen Artikel findet Ihr hier: Rondo alla turca auf dem Akkordeon

Musikalischer Dezember

Der Advent ist eine Zeit voller Musik. In diesem Jahr freue ich mich über ganz besondere Veranstaltungen, die ich mit gestalten darf:

Zweimal wird D’Ané mit der Konzertlesung „Was wäre, wenn Weihnachten…?“ zu hören sein. Gleich diese Woche in Friedrichshafen und dann noch einmal in Benningen/Neckar.
Hier gibt es die Infos zur Konzertlesung „Was wäre, wenn Weihnachten…?“ in Friedrichshafen.
Hier gibt es die Infos zu „Was wäre, wenn Weihnachten…?“ in Benningen.

Und am 3. Advent noch eine Premiere. Ich habe die Freude mit dem Posaunen Chor von Winnenden aufzutreten. Hartmut Seidler, der diesen Posaunenchor leitet und der sicher vielen ein Begriff ist durch den Liederzyklus „Ist die Welt um mich verwandelt“, hat ein ganz besonderes Arrangement extra für dieses Event geschrieben. Es enthält unter anderem den berühmten Young Persona Guide To The Orchestra von Benjamin Britten in einer wundervollen Collage für Solo-Akkordeon und Posaunenchor.
https://posaunenchor-winnenden.de/termine

Ich wünsche Euch allen eine frohe und nicht allzu stressige Adventszeit voller besinnlicher Klänge und süßem Weihnachtsduft.

Cabaret – Staatstheater Stuttgart

In diesem Jahr darf ich in CABARET / Calixto Bieito(Inszenierung) am Staatstheater Stuttgart mitwirken. Es ist eine großartige Arbeit mit einem tollen Team. Abwechselnd mit meiner wunderbaren Kollegin Anne-Maria Hölscher gestalte ich den Akkordeonpart im Orchester, das während der ganzen Aufführung auf der Bühne ist.

Man kann sagen, dass die Musik von John Kander eine ganz eigene Rolle hat in diesem Stück. Sie erzählt, sie trägt die Handlung, sie kommentiert, sie formuliert düstere Vorahnungen und rauschhaftes Vergnügen. Und natürlich produziert sie ohne Ende Würmer, die sich tagelang im Gehörgang tummeln. Die musikalische Leitung führt Nicholas Kok.

Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Aber man muss tatsächlich schnell sein, denn die Vorstellungen sind meist sehr schnell ausverkauft. Mitunter gibt es auch Zusatztermine, die eingeschoben werden.

So auch am kommenden Sonntag, 23.4. um 19:30.

Hier die anderen Termine, an denen ich dabei sein werde: 03./04./05.6.; 30.09./01.10.; 04./05.11. und der Abschluss am 13.01.2024. Wenn weitere Termine dazu kommen, werde ich das hier veröffentlichen.

Alle Termine könnt Ihr auf dieser Website in der Rubrik Live-Termine sehen.

Neue Cd, Konzert und was wir noch so vorhaben …

Die Sommerpause liegt hinter uns und wir starten in einen neuen musikalischen Herbst. Die letzte Zeit wird oft als herausfordernd beschrieben. Das war sie auch und ist sie noch. Aber mit Más Que Dos haben wir das große Glück, dass sie ebenso inspirierend und kreativ war.
Wir haben eine neue CD machen dürfen und endlich nach so viel Arrangieren – denn keines der Stücke gab es für unsere ungewöhnliche Besetzung – , viel Probieren, Verwerfen, Diskutieren, Verbessern, Aufnehmen, Reise nach Augsburg, toller Begegnung mit Ludger, unserem Tonmeister, Qual der Wahl bei Bildern und Texten …. halten wir sie in den Händen.

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Und an diesem Wochenende wird es sie das erste Mal zu kaufen geben. Wir freuen uns, in dieser wunderbaren Reihe zu Gast zu sein: https://andreaskantorei-obertuerkheim.de/index.php/gemeinde/spazierwegkonzerte

Wunderbar gelegen bietet die Petruskirche in Obertürkheim die Gelegenheit einen Herbstspaziergang durch die malerischen Weinberge mit einem Konzertbesuch zu verbinden. Wir laden Sie also herzlich ein zu diesem sinnesreichen Abend.

Und auch sonst haben wir uns für die kommende Saison viel vorgenommen. Der Komponist Hartmut Seidler hat unser Trio, unsere Klangwelt für sich entdeckt und schreibt einen Liederzyklus mit Texten der Lyrikerin Ada Christen. Wir sind sehr stolz, mit ihm daran zu arbeiten. Und natürlich freuen wir uns schon sehr auf die Uraufführung, die im Januar stattfinden wird.

Bereits in der letzten Woche haben wir uns mit Hartmut getroffen, der in diesem Herbst sein Oratorium „Gott rufet noch“ zur Uraufführung bringen wird (Tickets hier: https://www.reservix.de/tickets-urauffuehrung-hartmut-w-seidler-gott-rufet-noch-oratorium-ueber-das-bildprogramm-des-jakobusaltars-der-schlosskirche-in-winnenden-winnenden-schlosskirche-am-30-10-2022/e1967926). Einen langen, spannenden Abend lang haben wird über Klänge, Eindrücke, die Wirkung und die Wiedersprüche von Worten und Musik gesprochen und probiert.

Wir sind gespannt, wohin uns diese Reise führt.

Bald mehr dazu …

JANINA RÜGER-AAMOT UND DR. ANDREAS FLAD IN CONCERT

In dieser Woche beschäftigen mich mit Mendelssohn-Bartholdys Lieder ohne Worte. Das Besondere in diesem Fall ist die Besetzung. Es handelt sich um die Simrocks Bearbeitung für Physharmonika und Klavier. Die Physharmonika ist ein Vorläufer des Akkordeons und die feine Bearbeitung von Simrock ermöglicht es, den Gesang der Lieder in all deren Schattierungen zu zeichnen. Ich genieße das Spiel mit den Farben und Nuancen und freue mich jetzt schon auf dieses ganz besondere Konzert.

BESTANDSKARAWANE: PHYSHARMONIKA IN HEILBRONN

Im Rahmen eines Wandelkonzertes, einer Bestandskarawane in der Bibliothek Heilbronn werden neben verschiedenen anderen Werken die Lieder ohne Worte von Mendelssohn-Bartholdy zu hören sein. Mein wunderbarer Partner am Klavier ist Dr. Andreas Flad.