Zwischen Bühne und Business – was mir das Gespräch mit Dominik Joelsohn gezeigt hat

Ich wollte immer Musik machen. Keine Buchhaltung, kein Marketing, keine Akquise.
Das alles hatte ich nie gelernt – und ehrlich gesagt: Ich wollte es auch nicht lernen. Ich wollte Akkordeon spielen, Kammermusik machen, aufführen. Punkt.

Doch das Leben als Musikerin zwingt einen früher oder später dazu, genau diese Dinge anzusehen. Weil sie sonst über einen hereinbrechen.

„Kunst braucht Struktur“ – ein Satz, der bleibt

Als Dominik Joelsohn im Interview sagte:

„Kunst ist kein Gegensatz zum Markt. Sie braucht Strukturen, um überhaupt stattfinden zu können.“

… da traf mich das mitten ins Herz.

Ich dachte an meine eigenen Anfänge: an Rechnungen, die ich nicht stellte, weil es sich irgendwie „unmusikalisch“ anfühlte. An Projekte, die scheiterten, weil keiner den Überblick hatte.
Und daran, wie lange ich gebraucht habe, um zu begreifen, dass künstlerische Freiheit nicht heißt, alles andere zu ignorieren, sondern zu wissen, wie der Rest funktioniert.

Heute – nach über zwanzig Jahren in der Musik – merke ich, wie sehr ich mir dieses Wissen früher gewünscht hätte. Im Studium etwa, wo alles um Interpretation, Ausdruck und Technik kreiste, aber nie um Organisation, Sichtbarkeit oder wirtschaftliche Grundlagen.

Business und Kunst – kein Gegensatz, sondern Balance

Ich erinnere mich, wie Dominik über die Unsicherheit vieler Musiker*innen sprach:

„Perfekt spielen reicht nicht. Viele trauen sich nicht, rauszugehen und zu sagen: ‚Hallo, hier bin ich.‘“

Das kenne ich nur zu gut.
Lange dachte ich, Sichtbarkeit mache mich angreifbar oder unecht. Heute sehe ich: Sichtbarkeit macht möglich. Sie ist kein Verrat an der Kunst, sondern ihre Übersetzung nach außen.

Ich musste lernen, dass Selbstvermarktung nichts mit „sich verkaufen“ zu tun hat, sondern mit Selbstbestimmung. Wenn ich weiß, wer ich bin, was meine Musik erzählt, kann ich auch besser entscheiden, wo und wie sie in die Welt soll.

Mehr Freiheit durch Wissen

Früher empfand ich alles rund um Gagen, Steuern und Verträge als Last. Heute gehört es eben dazu.

Vielleicht ist das der eigentliche Reifeprozess einer Musikerin:
von der romantischen Vorstellung „Ich mach nur Musik“
hin zu der gelassenen Erkenntnis „Ich gestalte mein künstlerisches Leben bewusst“.

Mein Fazit

Das Gespräch mit Dominik Joelsohn hat mir wieder gezeigt, dass Kunst und Business keine Feinde sind.
Sie sind zwei Seiten derselben Medaille.

Ich wollte nie Buchhaltung machen – und liebe sie bis heute nicht.
Aber ich weiß jetzt: Wenn ich das Drumherum verstehe, dann habe ich mehr Raum für das, was ich wirklich liebe: Musik.

Und genau darin liegt vielleicht die größte Freiheit,
die man als Künstlerin erreichen kann.

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